Paarberatung

Paarberatung widmet sich in beziehungsrelevanten Themen der individuellen Problemlösung. Nebenher und doch ganz ausführlich lehrt sie, die Beziehung elegant und gekonnt zu führen und zu pflegen. In Paarbeziehungen können kleine und große Probleme vorkommen. Manchmal empfindet nur einer von beiden Partnern Schwierigkeiten in der Beziehung, während für den anderen alles in Ordnung ist. Manchmal sind sich aber auch beide darüber einig, dass sie in ihrer Beziehung ein Problem haben. Paarbeziehungsschwierigkeiten können ganz unterschiedliche Aspekte des Paarlebens betreffen.

In der Paarberatung häufig besprochene Aspekte sind Muster und Kommunikation. In Paarbeziehungen entwickeln sich durch Vertrautheit und Innigkeit schöne, tragende und liebgewonnene Kommunikations- und Verhaltensmuster, beispielsweise der gewohnte Abschiedskuss vor der Arbeit. Ebenso können sich aber auch unangenehme Muster entwickeln. Ganz unabhängig vom Inhalt einer konkreten Beziehungsproblematik hat sich häufig schon ein Kommunikations- und/oder Verhaltensmuster zwischen den beiden Partnern um das ursprüngliche inhaltliche Thema  herumgesponnen. Und bald schon ist das anfängliche Thema in den Hintergrund getreten oder wird vom eingefahrenen Muster eher noch festzementiert. In der Paarberatung geht es darum, das Muster aufzulösen. Sehr eingefahrene Muster sind oft so hartnäckig, dass Verständnis nicht immer ausreicht, um das Muster zu begreifen und damit verändern zu können. Oft ist es vor lauter Muster auch gar nicht möglich, füreinander Verständnis zu entwickeln. In solchen Fällen gilt es, das alles dominierende Kommunikations- oder Verhaltensmuster zu irritieren. Ist das Muster mittels ausgeklügelter individueller Irritationen erst einmal “geknackt“, kann je nach Problematik mit der tieferliegenden Beziehungsarbeit begonnen werden. Bei manchen Paaren besteht die tieferliegende Problematik in Kommunikationsschwierigkeiten. In dem Fall geht es vor allem darum, eine Kommunikationsform zu finden, die beiden Partnern liegt.

Andere interessante Aspekte des Paarlebens betreffen Persönlichkeits- und Geschlechterunterschiede der beiden Partner. Obwohl es doch viel Nützliches und Aufregendes über das eigene und das andere Geschlecht und die verschiedenen Persönlichkeitseigenschaften zu erfahren gibt, lernen wir in Familie und Schule weder über das eine, noch über das andere. Geschlechterunterschiede und unterschiedliche Eigenschaften bedeuten entsprechend unterschiedliche Bedürfnisse in der Beziehung. Aufklärung und Wissen erleichtern das Verständnis für sich selbst und für den Partner. Zudem erleichtern sie die Kommunikation über Bedürfnisse. Menschen können lernen, dem Partner eine Art Gebrauchsanweisung für sich selbst zu geben. Ist viel Verständnis vorhanden sowie kostbares Wissen darüber, wie der Partner funktioniert und was er braucht, kann man sich in seiner Beziehung schon nicht mehr ratlos und handlungsunfähig fühlen. Vielmehr stellt sich das gute Gefühl ein, etwas tun zu können – für den Partner, aber auch für sich selbst. Abgesehen davon ist es sehr interessant und kann großen Spaß machen, sich über die Eigenheiten des eigenen und des anderen Geschlechts sowie der eigenen Persönlichkeit, als auch der des Partners auszutauschen. Die Paarberaterin nimmt dabei eine unterstützende und beschützende und ganz besonders eine unparteiische Position ein.

Weitere sehr grundlegende Aspekte des Paarlebens sind gegenseitiges Vertrauen und gegenseitige Einflussnahme. Man sagt zwar, man solle und könne den Beziehungspartner nicht verändern. Und man solle dies auch nicht wollen. So einfach kann man das aber auch nicht stehen lassen. Denn gerade in einer innigen Beziehung ist es sehr wichtig, gegenseitig Einfluss haben zu können, Einfluss im Sinne von „den anderen erreichen“, „ihn zu etwas bewegen können“. Dabei spielt gegenseitiges Vertrauen eine große Rolle. Es macht einen gewissen Zauber aus, mit dessen Hilfe der eine Partner Zugang zum anderen Partner bekommt. Ein Mann braucht das Vertrauen seiner Frau und Zugang zu ihr, um sie „zu etwas bewegen zu können“ und umgekehrt. Es kann sich erfüllend anfühlen, durch den geliebten Partner angesprochen und emotional berührt und damit eventuell auch bewegt zu werden. Ein weiterer Zauber in der Paarbeziehung ist das „Gewichten von Bedürfnissen“. Es basiert auf dem ersten Zauber, dem Vertrauen, und meint Folgendes: wenn beide sich selbst und sich gegenseitig sehr gut kennen in all ihren Eigenschaften und Bedürfnissen, ist es gar nicht so schwer zu wissen, wie sehr wichtig etwas dem Partner ist, bzw. im Vergleich zu erspüren oder zu wissen, wem von beiden etwas wichtiger ist. Bei Paaren, die sich gut kennen, funktioniert das „Gewichten“ sehr gut, d.h. beide kommen häufig zum selben Ergebnis und wissen dann einhellig, dass ein bestimmtes Anliegen in einer bestimmten Angelegenheit ihr wichtiger ist, als ihm oder umgekehrt. Wenn das „Gewichten“, also das Einschätzen von Wichtigkeit für sich selbst und den Partner, beiden so gut gelingt, ist das „Nachgeben“ eine Herzensangelegenheit. Damit ist ein Paar bei der hohen Kunst von Partnerschaft angelangt. Eine Kunst, die durchaus erlernbar ist.

Beim Nähe-und-Distanz-Thema in Beziehungen handelt es sich um einen ausgesprochen berühmten Aspekt des Paarlebens. Für den einzelnen Partner gilt es, sich sicher und selbstverständlich gegen den anderen Partner abgrenzen und behaupten zu können, die eigene Autonomie zu wahren. Gleichzeitig ist in einer Paarbeziehung ein gewisses Maß an Nähe und gegenseitiger Zugewandtheit unabdingbar. In der Paartherapie geht es also auch häufig um eine gelungene Nähe-Distanz-Balance. Abhängig von den Eigenheiten des Einzelnen fühlen und verhalten sich vielleicht die beiden Partner unsymmetrisch bzgl. Nähe und Distanz zueinander. Vielleicht fühlt sich der eine schnell bedrängt und der andere schnell im Stich gelassen. Es kommt auch vor, dass sich beide bedrängt oder beide im Stich gelassen fühlen. Zudem können sich schon durch harmlose Missverständnisse heimtückisch leidvolle Nähe-Distanz-Muster einschleichen und festsetzen. Auch hier handelt es sich um eine erlernbare und hohe Kunst, bei unantastbarer Autonomie gleichzeitig mit dem Partner zusammen in der gemeinsamen Beziehung Nähe einzurichten.

Wie so Vieles:  nachdem man es erlernt hat, ist Beziehung ein Kinderspiel.