Systemische Therapie

Die Systemische Therapie ist eine moderne ressourcenorientierte Kurzzeitpsychotherapie und setzt gleichberechtigte Teamarbeit zwischen Klientin und Therapeutin voraus. Die Therapeutin begegnet ihrer Klientin unvoreingenommen, interessiert und mit Respekt und Wertschätzung. Ängste, Depressionen usw. und auch Beziehungsprobleme werden nicht als Defizite, sondern vielmehr als Kompetenzen, bzw. kompetente Lösungsversuche betrachtet. Desweiteren wird angenommen, dass ein Mensch voller hilfreicher Ressourcen steckt. Somit bringt jeder Klient ungeahntes Veränderungspotenzial mit in die systemische Praxis, das es im Therapiegespräch zu entdecken gilt.

Im Systemischen wird der Mensch, indem er in Beziehungen zu anderen steht, als Teil eines kommunikativen Systems verstanden. Die Gedanken, Gefühle, Eigenschaften und Erfahrungen eines Menschen kann man als System für sich betrachten. Klient und Berater nehmen gemeinsam eine Metaposition ein. Sie beobachten von dort aus verschiedene Systeme im Leben des Klienten und untersuchen bestehende unangenehme oder unerwünschte Muster, um dann nach neuen möglichen Mustern und Lösungen zu forschen, die dem Wesen des Klienten mehr entsprechen. Dabei kann der Klient neue Sichtweisen gewinnen. Veränderungsprozesse werden eingeleitet, indem schon eine einzelne Änderung im System Änderungen an anderen Stellen im (Beziehungs-) System nach sich zieht. Dabei lässt sich allerdings nicht immer vorhersehen, um welche konkreten Änderungen es sich handeln wird. Vielmehr lässt sich die einzelne Änderung als Irritation des Systems verstehen. Daraufhin wird sich der Klient von den nachfolgenden Veränderungen an anderen Stellen im System überraschen lassen. Das Nichtwissen birgt somit die Chance auf eine Erweiterung der Perspektiven und Lösungsmöglichkeiten. Es bleibt zwar bei der Binsenweisheit, dass der eine Ehepartner nicht unmittelbar den anderen Ehepartner nach seinen Vorstellungen verändern kann. Dennoch haben wir Einfluss auf unsere Beziehungs-, Familien- oder kollegialen Systeme. Ziel ist, neue Wahlmöglichkeiten aufzudecken und zu integrieren. Die eigene Persönlichkeit kann als weiter und freier erfahren werden als bisher. Das gibt zunehmend ein Gefühl der Sicherheit im Umgang sowohl mit den eigenen Bedürfnissen und Gefühlen, als auch mit anderen Menschen oder mit äußeren Umständen. Der hiermit neu erlernte Umgang mit vielen verschiedenen Wahlmöglichkeiten lässt die Klientin erkennen, dass sie sich freiwillig für eine Lösung entscheidet. Sie fühlt sich selbstbestimmt und infolgedessen sicherlich glücklicher und zufriedener.

Der systemische Ansatz eignet sich gleichermaßen für Einzelsitzungen, Paarberatung und Familientherapie. Er beinhaltet neben Zirkulärem Fragen, Hypothesenbildung und Metaebene im  Gespräch weitere Techniken wie das „Tetralemma“ zur Entscheidungs- findung, desweiteren das sogenannte „Aufstellen“ von Familien oder kollegialen Teams mittels Figuren oder die Verwendung von Metaphern u.v.m. Klient und Therapeutin konzentrieren sich bei der Betrachtung der Paar-, Familien- oder kollegialen Situation in erster Linie auf Gegenwart und Zukunft. Auf Wunsch des Klienten ist natürlich ein forschender Blick in die Vergangenheit ebenso möglich. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Erfahrung, die Wahl zu haben, Einfluss nehmen und einen Veränderungsprozess initiieren zu können.

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